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Offener Brief zum Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln

Offener Brief an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner

 

 


Frau
Ministerin Julia Klöckner
Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL)
Wilhelmstraße 54
10117 Berlin

Offener Brief zum Verbot der betäubungslosen Kastration von Ferkeln ab 1.1.2019

Sehr geehrte Frau Ministerin,

zuallererst gratulieren wir Ihnen herzlich zur Ernennung als Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft und wünschen Ihnen Geduld, Kraft und Durchsetzungsvermögen sowie natürlich das immer notwendige Quäntchen Glück bei all Ihren Entscheidungen.

Anlass dieses offenen Briefes ist das Verbot der betäubungslosen Kastration von männlichen Ferkeln ab 1.1.2019. Als Alternative stehen den Landwirten ab dem kommenden Jahr die Ebermast, die Immunokastration mit Improvac oder die Betäubung mit Isofluran zur Verfügung. Alle genannten Verfahren weisen jeweils noch erhebliche offene Fragen auf und können so nicht uneingeschränkt empfohlen werden.

Sofern zu diesen Optionen kein „vierter Weg“ hinzukommt, der eine Kastration von Ferkeln mit „weitestgehender Schmerzausschaltung“ durch den Landwirt selbst möglich macht, wird dies zu einem bisher unvorstellbaren Strukturbruch in der deutschen Ferkelerzeugung führen. Dazu kommt, dass die Wettbewerbsfähigkeit unserer Betriebe stark eingeschränkt wird, wenn Tiere zum Beispiel aus Dänemark nach Deutschland kommen, wo der „vierte Weg“ vom Gesetzgeber ermöglicht wurde.

Dieser sogenannte „vierte Weg“ wird in Deutschland bisher wesentlich durch die Interpretation des Begriffs „wirksame Schmerzausschaltung“ als „völlige Schmerzfreiheit“ blockiert. Die für Betäubungsverfahren „übliche Schmerzausschaltung“, die im Übrigen so auch für Menschen gilt, wäre dabei in diesem Zusammenhang die richtige und passende Interpretation bzw. Auslegung. Für die deutschen Ferkelerzeuger wäre eine Umsetzung wie in Dänemark, wo der vierte Weg ab dem kommenden Jahr als Branchenstandard eingeführt wird, ein absolut gangbarer Weg.

Sehr geehrte Frau Ministerin Klöckner,

daher möchten wir Sie bitten und auffordern, diese praktikable aber auch tierschutzkonforme Interpretation und Auslegung in Bezug auf die Begrifflichkeit der Schmerzausschaltung anzustreben und möglichst zeitnah umzusetzen. Nur wenn diese Option gegeben ist, können weitere Entwicklungen für den vierten Weg rechtzeitig angegangen und umgesetzt und eine katastrophale Entwicklung für die deutsche Ferkelproduktion ab dem 1.1.2019 verhindert werden.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr
Hans-Benno Wichert
Präsident


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