Fachgespräch und Betriebsbesuch mit der baden-württembergischen Tierschutzbeauftragten Frau Dr. Julia Stubenbord

Auf Initiative und auf Einladung von German Genetic / SZV fand am Freitag, 8. Februar 2019 in Backnang auf dem Stiftsgrundhof der Familie Müller im Rahmen eines Betriebsbesuchs ein umfassender Austausch zum Thema „Tierschutz“ statt.

Neben der baden-württembergischen Tierschutzbeauftragten Frau Dr. Julia Stubenbord und ihrer Stellvertreterin Frau Ariane Kari nahmen der Präsident des Schweinezuchtverbandes Baden-Württemberg Herr Hans-Benno Wichert, der SZV-Vizepräsident Herr Rainer Müller, der Geschäftsführer des SZV Herr Jörg Sauter sowie weitere Mitglieder der Familie Müller teil.

v.l.n.r.: Andreas Müller, Ariane Kari, Dr. Julia Stubenbord, Rainer Müller, Jörg Sauter, Silke Müllerv.l.n.r.: Andreas Müller, Ariane Kari, Dr. Julia Stubenbord, Rainer Müller, Jörg Sauter, Silke Müller

Alle Beteiligten bekräftigten dabei die Ausführungen von Herrn Hans-Benno Wichert, dass ein Strukturbruch innerhalb der Ferkelerzeugung in Baden-Württemberg und Deutschland unbedingt verhindert werden muss und ein weiteres Anwachsen von Ferkel- und Mastschweineimporten aus dem Ausland kontraproduktiv zu den Bemühungen um mehr Tierschutz sei.

Frau Dr. Stubenbord bekräftigte in diesem Zusammenhang ihr Ansinnen, dass sie ihre Rolle zwar als „Anwältin für mehr Tierschutz“ begreife, aber sehr wohl um die praktischen Notwendigkeiten in der Tierproduktion wisse und diese in ihre jeweilige Bewertung mit einfließen lasse.

Schwerpunkt des Gesprächs waren die zwei großen Hauptthemen „Kastration“ und „Kupierverzicht“. Dabei wiesen die Vertreter von German Genetic / SZV darauf hin, dass insbesondere in Süddeutschland die Möglichkeit einer chirurgischen Kastration bestehen bleiben muss. Ebermast und Eberimpfung mit Improvac können nicht das gesamte Spektrum der Nachfrage bedienen. Wie eine durch den Landwirt angewandte Betäubung zur Durchführung einer chirurgischen Kastration aussehen könnte, blieb dabei eine offene Frage, die von der Politik zeitnah geklärt werden muss. Aus tierärztlicher Sicht vertrat Frau Dr. Stubenbord den Standpunkt, dass eine Impfung gegen Ebergeruch die tierschutzgerechteste sei und auch eine praxistaugliche Lösung darstellen würde.

Zum Thema Schwanzkupierverzicht zeigten Rainer und Andreas Müller während eines intensiven Stalldurchgangs verschiedene Ansätze aus Haltung, Fütterung und Genetik. Gleichzeitig verwiesen die beiden Betriebsleiter immer wieder darauf, dass alle Bemühungen und Maßnahmen keine 100%ige Garantie gegen „Schwanzbeißen“ sei und ein absolutes Kupierverbot Tierleid verursacht und daher definitiv nicht im Sinne des Tierschutzes sei.

Frau Dr. Stubenbord und Frau Kari zeigten sich beeindruckt von der hohen fachlichen Qualifikation der Betriebsleiter und deren Bemühungen um Tierschutz -auch und gerade in einem konventionell geführten Maststall. Um einen Übergang zu immer mehr unkupierten Tieren gewährleisten zu können, seien jedoch in der Breite weiterhin Veränderungen und Anpassungen in den Haltungssystemen unabdingbar, so Frau Dr. Stubenbord. Ad hoc einen Kupierverzicht umzusetzen, führe zu einer Verschiebung der Tierschutzproblematik. Allerdings, darauf wies sie hin, sei es rechtlich verpflichtend, sich nun auf den Weg zu machen.

Hans-Benno WichertHans-Benno Wichert

Wenn am Ende Regionalität, Tierschutz und Ökonomie keine Gegensätze mehr sein sollen, so Rainer Müller, dann müssen wir uns auf einen gemeinsamen Weg begeben, der die Basis für eine erfolgreiche weitere Schweineproduktion im Südwesten darstellen könne. „Schnellschüsse“ aus purem Aktionismus seien dabei keine Lösung, sondern würden vielmehr das Vertrauen der Landwirte in eine nachhaltige Unterstützung der Politik schwächen. Dafür ist ein enger und permanenter Austausch in allen tierhaltungsrelevanten Fragen notwendig, betonte Hans-Benno Wichert zum Abschluss und bot Frau Dr. Stubenbord den Schweinezuchtverband als partnerschaftliches Gegenüber in Form einer „lebendigen Kultur des Austausches und der konstruktiven Diskussion“ an.

GG/ 19.2.2019

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