Zuchtziel

Zuchtziel ist ein sehr widerstandsfähiges, langlebiges, milchergiebiges Schwein von sehr hoher Fruchtbarkeit und mit besten Muttereigenschaften ausgestattet. Es soll frohwüchsig und großrahmig sein, eine gute Futterverwertung sowie bei ausreichendem Muskelfleischanteil eine hervorragende Fleischbeschaffenheit aufweisen und sich für alle Haltungsformen einschließlich Weidehaltung eignen.

Das Schwäbisch-Hällische Schwein soll besonders für den Einsatz als Sauenlinie geeignet sein.

Entstehungsgeschichte

Die heute bekannten Sattelschweinerassen haben allesamt denselben Ursprung: sie kamen im 18. Jahrhundert von China nach England, vermutlich durch die Ost-Indische Handelskompanie, und zwar aus der Provinz Jinhua, einer Mittelgebirgsregion in Zentral-China.

Von England aus eroberten sie dann ab 1816 den Kontinent, besonders in der Zeit nach Auflösung der Kontinentalsperre gegen Napoleon.

Auf Anordnung König Wilhelms I. von Württemberg, des Landwirts auf dem Königsthron, erreichten um das Jahr 1820 eine Anzahl sog. „Chinesenschweine" die königliche Domäne in Stuttgart-Hohenheim „zur Hebung der Schweinezucht", wie im damaligen landwirtschaftlichen Correspondenzblatt stolz berichtet wird.

Das Landwirtschaftliche Hauptfest und das Cannstatter Volksfest wurden am 28. September 1818 am Ende einer schweren Hungersnot von der württembergischen Königin Katharina und ihrem Gemahl König Wilhelm I. dem Volk gestiftet.

Die chinesischen Schweine galten als sehr fruchtbar, „eine solche Sau hat bis 20 Ferkel oft", sie wurden als genügsam und zahm beschrieben; und „daß es den Boden nicht umwühlt. Es liefert ferner gutes Fleisch, vorzüglich schmackhaft. Diese Eigenschaften bleiben selbst durch die Paarung mit dem Landschwein." Die angekommenen „Chinesenschweine" wurden auf mehrere königliche Domänen im damaligen Württemberg verteilt, um sie so der Landeszucht zuzuführen.

Die Einkreuzung der asiatischen Rassen brachte tatsächlich eine größere Fruchtbarkeit, höhere Fettleistungen und eine bessere Mastleistung.

Mit der Vererbung ihrer leicht gerunzelten Stirn haben die chinesischen Maskenschweine in den Schwäbisch-Hällischen ein erkennbares Merkmal hinterlassen.

Auch die anderen europäischen Sattelschweinerassen entstanden auf diese Weise. Farbliche Kennzeichen sind immer der schwarze Kopf und das schwarze Hinterteil. Die Abgrenzung erfolgt durch einen Säumungsstreifen, bei dem weiße Haare auf schwarz pigmentierter Haut sind. Umgangssprachlich werden sie deswegen auch als Mohrenköpfle bezeichnet.

In der 2. Hälfte des 19. Jh. wurde durch wahllose und wenig durchdachte Kreuzungszucht die bis dahin hochgelobte Rasse fast heruntergewirtschaftet.

Dies wurde im Wechsel zum 20. Jh. durch planmäßige Zuchtarbeit abgefangen und der Rasse wurde zu einer neuen Blüte verholfen. 1925 wurde die erste Züchtervereinigung gegründet. Durch ihre hohe Fleischqualität und sehr guten Muttereigenschaften waren noch im Zweiten Weltkrieg im Landkreis Schwäbisch Hall fast 100 Prozent aller Schweine Schwäbisch-Hällische. Der nächste Niedergang kam in Laufe des Wirtschaftswunders in den 60iger und 70iger Jahren des vorigen Jh. durch die geänderten Ernährungsgewohnheiten. Ein fettreiches Schwein war nicht mehr gefragt.

Anfang 1980 galt die Rasse als ausgestorben, nachdem schon Ende der 60er Jahre die Herdbucharbeit eingestellt worden war.